SAD 210 Custom Combobox und Glockenklang Passenger Top



Vorgeschichte

Über kurz oder lang kommt jedem Basser im mittleren Alter der Wunsch nach einem tragbaren Combo mit gutem Sound. Man will sich eine Kiste gönnen, die man mit einer Hand tragen kann, die leistungsmäßig für kleinere, leisere Besetzungen reicht und dennnoch klanglich flexibel genug ist, um in unterschiedlichsten Räumlichkeiten klarzukommen. Ein längerer Emailwechsel und verschiedene Telefonate mit Marc Sieben führten zu diesem Konzept:

Nach Beauftragung dauerte es dann eine Woche und das Kistchen stand bei mir zu Hause.

Beschreibung

Meine ersten Eindrücke: ganz schön leicht ist es. Die Waage zeigt 16,2kg ohne Amp, dabei sind keine Neodym-Speaker verbaut worden, sondern ganz normale mit Ferritmagneten. Vom Aussehen bin ich spontan angetan. Ohne Stapelecken sieht so eine kleine Kiste doch deutlich eleganter aus. Das Gitter hat was von Doggenkäfig, that's cool. Die Verarbeitung ist mal wieder Spitzenklasse, wie ich das von meinen beiden anderen SAD-Boxen bereits kenne. Einziges Manko: ich hätte die Rackschienen noch zwei bis drei Zentimeter tiefer nach innen gesetzt.

Sound in Kombination mit einem geliehenen SWR PB200: ganz schön trocken, sehr klar, aufgeräumte Bässe, die 10"-Speaker gehen erstaunlich weit nach oben. Da braucht man den Tweeter nur für das bißchen Glanz obendrauf. Die Bässe gehen sehr weit runter, ich kann den SWR flat fahren. Witzigerweise wackeln die 10"er der SAD, wenn man an den Saiten rappelt. Das hatte ich ja schon bei der DBA 1b beobachtet. Ich spiele gerne mit harten Deadnotes auf den tiefen Saiten und da machen die weich aufgehängten Speaker ganz ordentliche Hüpfer.

Sound in Kombination mit dem Dynacord Eminent (Vollröhre): seltsamerweise habe ich den Eindruck, dass der Wirkungsgrad geringer ist als bei der billigen Yamaha BBT 110er-Box, vielleicht ist das aber auch nur das, was man in der Akustik LAUTHEIT nennt. Die SAD 210 klingt sehr aufgeräumt und weniger mittig als die Yamaha mit dem Eminence. Dadurch ist der "right in yo face" Effekt niedriger. Es ist weniger "Gröhl" zu hören. Das ist keine Rockbox, soll sie auch nicht sein. Das Klangbild ist ganz anders und ich muß damit erstmal ein paar Abende üben und das im Zusammenhang mit anderen Instrumenten auschecken.

Mit dem Reußenzehn/PSE-Rack habe ich noch nicht getestet, weil es immer im Proberaum steht. Solange ich das Böxchen also nicht im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten gecheckt habe, behalte ich mir die Entscheidung vor, ob es "total toll" oder "echt super" ist.

Mittlerweise habe ich günstig ein gebrauchtes Glockenklang Passenger Top erstanden. Dieses passt mit seinem kultivierten Klangbild und der moderaten Leistung (250W an 4 Ohm) wunderbar. Und ich muss sagen, dass dieser sich soundmäßig sehr gut mit der Box ergänzt. Das Klangbild ist ausgewogen, rund und klar, geradezu gediegen. Es schmeichelt dem benutzen Instrument. Vielleicht nicht ganz so aggressiv, wie ich mir das manchmal wünsche, aber beileibe nicht zu brav oder gar langweilig-neutral, wie man das z.B. von Trace Elliot Amps kennt. Der Glock ist schon ein Schönfärber, muss man ja mal sagen. Slapping klingt über den Combo jedenfalls ganz hervorragend. Der Glock ist offensichtlich für Fullrange Equipment konzipiert, während die etwas altertümlichen Gerätschaften wie Reußenzehn oder Uralt-SWRs immer gegen die Unzulänglichkeiten früherer Bassboxen ankämpfen mußten.

Ich bin dann auch direkt mit dem GP-Lightstone Tube Bass in die Endstufe gegangen und das klang so richtig saugeil! Es schmatzt und gröhlt, der Sound ist viel direkter, geradezu offensiv. Offensichtlich greift der Glock-Preamp auch in Flat-Einstellung in die Hochmitten ein, denn wenn ich den GP-Lightstone als Vorschaltgerät benutze, wird sein Sound direkt etwas abgemildert.

Den Tweeter der 210 finde ich ok. Der dynamische HT in der 610er und der DBA 1b klingt besser, ist aber auch teurer und benötigt mehr Platz. Da die 10er gut nach oben gehen, muss ich den Tweeter nur 1/4 bis 1/3 aufdrehen.